Bodenversiegelung und Entsiegelungspotenziale ermitteln

Entsiegelungspotenziale

In den Städten und Gemeinden bestehen Entsiegelungspotenziale vielerorts – im öffentlichen, halböffentlichen sowie im privaten Raum. Öffentliche Bereiche sind zum Beispiel allgemein zugängliche und nutzbare Bereiche wie Stadträume, Plätze, Parks, Verkehrsflächen oder öffentliche Wege. Zu den halböffentlichen Räumen gehören zum Beispiel Schulhöfe, Sportanlagen und gemeinschaftlich genutzte Flächen im direkten Wohnumfeld. Der private Raum besteht aus Wohn- und Gewerbegrundstücken mit ihren Freiflächen, zu denen zum Beispiel Gärten, Zufahrten, Stellplätze, Wege und Terrassen zählen. Kommunen als Eigentümer:innen öffentlicher Flächen kommt dabei eine Vorbildfunktion bei der Entsiegelung von Flächen zu. Die flächenmäßig größten Potenziale für Entsiegelungsmaßnahmen bestehen in vielen Städten und Gemeinden jedoch auf privaten Flächen.

Datengrundlagen

Die Versiegelung in den Städten kann mit verschiedenen Methoden beziehungsweise Datengrundlagen ermittelt werden, unter anderem mittels Fernerkundungsdaten sowie 3D- bzw. GIS-basierten Modellen bzw. Daten aus verschiedenen kommunalen Planungen. Zu Fernerkundungs- bzw. Erdbeobachtungsdaten zählen Luftbilder, Aufnahmen mit Kameras, Laserscannern oder Radarsensoren und Satellitendaten.  Die Sensoren der Satelliten unter anderem des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus (Sentinels, eine Flotte spezieller Satelliten im Besitz der EU) haben sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Weitere Datengrundlagen liefern 3D-Gebäudemodelle sowie GIS-basierte Versiegelungsmodelle unter Einbezug von Bodenbedeckungsklassen. Hierbei fließen Daten aus den Vermessungsverwaltungen der Länder, also Amtliche Liegenschaftskataster (ALKIS-Daten) zu Gebäudegrundflächen sowie Daten über Straßen- und Verkehrsnetze, Daten aus Flächennutzungs- und Bebauungsplänen sowie Daten aus Grünflächenkatastern ein.

Mit der Ermittlung von Entsiegelungspotenzialen werden die versiegelten Flächen systematisch identifiziert, die wieder ökologisch wirksam gemacht werden können. Hierfür bedarf es der Datenanalyse, einer kriteriengestützten Bewertung und einer Prüfung aus städtebaulicher Sicht.

Datengrundlagen für die Analyse von Entsiegelungspotenzialen sind Luftbilder, digitale Orthophotos und Satellitenbilddaten, LIDAR-/Laserscandaten (Höhenmodelle), digitale Flächennutzungs- und Bebauungspläne, Versiegelungskarten, Starkregengefahrenkarten, Überwärmungskarten beziehungsweise Klimamodellierungen, Kataster- und Eigentümerdaten sowie Grünflächen- und Biotopkartierungen. Mit der Überlagerung beziehungsweise Verschneidung der so gewonnenen Daten lassen sich Räume identifizieren beziehungsweise priorisieren, die sich für eine Entsiegelung eignen. Entsiegelungskataster können mit Hilfe moderner KI-Technologie entwickelt werden. Die Künstliche Intelligenz (KI) identifiziert dabei die versiegelten Flächen niedersachsenweit aus digitalen Orthophotos und Höheninformationen wie zum Beispiel beim Entsiegelungskataster für Niedersachen. Hier werden die Kommunen mit einem landesweiten Entsiegelungskataster unterstützt, das auf Basis von Daten zur tatsächlichen Flächennutzung laut Amtlichem Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS) und weiterer Fachdaten eine Datengrundlage für die Arbeit vor Ort bietet.

Entsiegelungskonzepte

Die Analysen in Bezug auf Entsiegelungspotenziale können in kommunale Entsiegelungskonzepte münden. Darin werden auf Grundlage der Potenzialanalyse konkrete Umsetzungsmaßnahmen dargestellt für Stadträume, die als prioritäre Orte für eine Bodenentsiegelung identifiziert wurden.