... mit Planungsprinzipien

Das Ziel, weniger Böden und Flächen neu zu beanspruchen, kann durch geeignete Planungsprinzipien unterstützt werden. Diese berücksichtigen die jeweiligen Siedlungsstrukturen mit ihren individuellen Entwicklungsdynamiken, aus denen jeweils unterschiedliche Bedarfe zum Beispiel in Bezug auf Wohnraum beziehungsweise Gewerbe- oder Erholungsflächen resultieren. Stichworte, die in diesem Zusammenhang immer wieder diskutiert werden müssen, sind zum Beispiel die qualifizierte und vorrangige Entwicklung im Bestand, die Entwicklung des Freiraumsystems, eine ökologisch ausgerichtete Mobilität, kooperative Prozesse der Planung, transparente Entscheidungen sowie interkommunale und regionale Perspektiven.

Verschiedene Prinzipien sollten als Grundlage für die Planung und die Umsetzung von Maßnahmen der Siedlungsentwicklung dienen, um die begrenzte Ressource Fläche effizient zu nutzen, den baulichen Bestand zu qualifizieren und so wenig wie möglich neue Flächen in Anspruch zu nehmen.

Flächensparen als Strategie

Das Flächensparen zielt darauf ab, den täglichen Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsflächen bis 2030 auf unter 30 Hektar zu senken und bis 2050 eine Flächenkreislaufwirtschaft („Netto-Null“) zu erreichen.

Eine Strategie zum Flächensparen sollte drei Teilstrategien verfolgen und möglichst miteinander verzahnen:

  • Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke,
  • Vorrangige Innenentwicklung durch Wiedernutzung von Flächenpotenzialen im Bestand zum Beispiel durch die Nutzung von Baulücken, Flächenrecycling, Leerstandsbeseitigung beziehungsweise Gebäudeumbauten oder Aufstockungen, 
  • Erhöhung der Effizienz der Flächennutzung.

So sollte die Innenentwicklung durch Nachverdichtung, Umnutzung, die Schließung von Baulücken und die Wiedernutzung von vormals bebauten Brachflächen sowie die Beseitigung von Leerständen in bestehenden Gebäuden Vorrang vor der Nutzung neuer Flächen auf der „grünen Wiese“ haben. Nach dem Leitbild der dreifachen Innenentwicklung sollte der Siedlungsbestand so weiterentwickelt werden, dass Flächenpotenziale der Innenentwicklung baulich sinnvoll genutzt und zugleich innerstädtische Freiflächen erhalten, ausgebaut, vernetzt und qualifiziert werden. Im Zuge der Mobilitätswende sind bislang als Verkehrsflächen genutzte Flächen umzunutzen, zum Beispiel für die Bereitstellung von Erholungsflächen, die Förderung von Stadtnatur, die Schaffung von Spiel- und Begegnungsräumen oder als Flächen für Fußgänger und Radfahrende.

Nutzungsmischung

Mit der Nutzungsmischung von Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit und mit kompakten Siedlungsstrukturen sollte das Prinzip der Stadt der kurzen Wege beziehungsweise der 15-Minuten-Stadt umgesetzt werden. Sie fördert zugleich den Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV.

Nachhaltige Mobilität und Straßenräume für alle 

Neue Baugebiete sollten gut durch den öffentlichen Verkehr erschlossen werden und die aktive Mobilität zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterstützen. Damit wird weniger Fläche für den fließenden und ruhenden Autoverkehr benötigt. Auch in Baugebieten im Bestand sollten Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen im Straßenraum in Verbindung mit Mobilitätskonzepten zugunsten von Fuß- und Radverkehr sowie des ÖPNV neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Umwelt- und Lebensqualität genutzt werden.

Grünqualitäten

Auf den Erhalt und die Entwicklung von Grün- und Freiräumen ist besonderes Augenmerk zu legen, da sie sowohl für Biodiversität und Erholung als auch als Kaltluftentstehungsgebiete eine herausragende Rolle spielen. Klare Siedlungsgrenzen, die bebaute Gebiete von unbebautem Außenbereich trennen und eine geordnete Siedlungsentwicklung im Innenbereich fördern, tragen dazu bei, die Zersiedelung der Landschaft zu verhindern und wertvolle Freiflächen zu erhalten.

Angemessene bauliche Dichten

Mehrgeschossiger Wohnungsbau statt Einfamilienhaussiedlungen reduziert die Flächenneuinanspruchnahme. Auch in ländlichen Lagen sollten qualitätvolle bauliche Lösungen mit höherer baulicher Dichte realisiert werden. Mit flexiblen Gebäudestrukturen beziehungsweise Gebäudegrundrissen sollte eine Anpassung an die sich im Laufe der Zeit verändernden Wohnflächenbedarfe ermöglicht werden.

Ressourcenschonendes Bauen

Ressourcenschonung durch flächensparende Bauweisen und Erschließungen sollten Hand in Hand gehen mit einer klimaangepassten Siedlungs- und Gebäudeplanung. Dazu gehören ausreichende und qualitativ hochwertige Grünflächen, Regenwasserversickerung, Dach- und Fassadenbegrünung sowie die Verwendung von rückbaubaren Materialien, die mit einem geringen Einsatz von Primärenergie hergestellt werden.

Gemeinwohlorientiertes Planen und Bauen

Weiterhin geht es um das gemeinwohlorientierte Planen und Bauen, das auf soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und langfristige Lebensqualität abzielt. Hierbei spielen öffentliche Räume, bezahlbarer Wohnraum und klimafreundliche Bauweisen eine besondere Rolle, ebenso transparente Prozesse und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Interesse des Gemeinwohls.