Entsiegelung

Boden entsiegeln und wiederherstellen

Problem Bodenversiegelung

In den Städten und Gemeinden sind Flächen oft vollständig oder teilweise versiegelt: durch Gebäude, Pflaster, Asphalt und Beton. Mit der Ausweitung der Siedlungs- und Verkehrsflächen nimmt auch die Bodenversiegelung zu. Der Anteil der versiegelten Fläche an der Gesamtfläche Deutschlands beträgt insgesamt 6,57 Prozent. Laut der Umweltökonomischen Gesamtrechnung der Länder sind in den Städten und Gemeinden im Schnitt etwa 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche versiegelt.
Der Versiegelungsgrad in den Städten variiert je nach Bebauungsstruktur und Grünanteil. Laut einer Studie des Gesamtverbands der Versicherer (2023) werden in einigen Großstädten, bezogen auf die Siedlungs- und Verkehrsfläche, Versiegelungsgrade von etwa zwei Dritteln erreicht.

Bodenfunktionen

Böden erfüllen wichtige Funktionen im Natur- und Stoffkreislauf. Zu ihren physikalischen Funktionen zählen zum Beispiel die ungehinderte Versickerung von Regenwasser oder die Unterstützung der Grundwasserneubildung. Chemische Bodenfunktionen sind die Filterung und Pufferung von Schadstoffen. Weiterhin ist der Boden der größte terrestrische Kohlenstoffspeicher. Zu den biologischen Funktionen gehört, dass Böden als Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen dienen, die zur Humusbildung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit beitragen. Böden sind die Grundlage für die Produktion von Nahrungsmitteln.

Bodendegradation

Bodenversiegelung, intensive Wind- und Wassererosion, Schadstoffeinträge und klimatische Veränderungen können die Bodenfunktionen beeinträchtigen oder zerstören. Eine Bodenversiegelung entsteht meist durch die dauerhafte Abdeckung der Bodenoberfläche mit Materialien wie Asphalt, Beton oder Pflastersteinen zum Beispiel auf Straßen, Wegen und Plätzen oder durch Gebäude. Dies führt zu einer starken Einschränkung oder vollständigen Verhinderung des natürlichen Austauschs zwischen dem Boden (Bodenpartikel, Bodenluft und Bodenwasser), dem Wasserkreislauf sowie der Atmosphäre. Damit gehen wichtige Bodenfunktionen verloren. Wasser kann nicht oder kaum versickern oder an der Bodenoberfläche verdunsten. Es fehlen Böden, wo Pflanzen wachsen und damit Flächen, die Hitze mindern können. Die Folgen sind neben einer Degradation der Böden negative Auswirkungen auf Flora, Fauna, Lebensräume, Wasserhaushalt (Versickerung, Verdunstung, Grundwasserneubildung) und Klima (Hitze) insbesondere im besiedelten Bereich. Bodenversiegelung hat Auswirkungen auf die Biodiversität und trägt zu erheblichen Problemen beim Abfluss von Regenwasser bei Starkregenereignissen sowie zur Überwärmung von Stadträumen in Form städtischer Wärmeinseln bei. Schließlich führt der Bau von Gebäuden und Verkehrswegen in erheblichen Umfang zu einem Verlust landwirtschaftlicher Flächen und anderen klimabedeutsamen Freiräumen.

Wiederherstellung von Böden und Bodenfunktionen

Der Erhaltung und Wiederherstellung von Bodenfunktionen kommt eine besondere Bedeutung zu. Um Fläche und Raum für Grün und Biodiversität und kühle Orte zu schaffen, sollten Böden entsiegelt und ihre biologischen, physikalischen und chemischen Funktionen wiederhergestellt werden. Hierzu zählen Maßnahmen wie die Bodenentsiegelung, die Lockerung verdichteter Böden, die Verbesserung des Bodens und der Bodenstruktur zum Beispiel durch die Bodenbedeckung mit Begrünung beziehungsweise Mulchen, mit dem Einsatz von Wirtschaftsdünger beziehungsweise Kompost, durch ein standortangepasstes Bodenmanagement in der landwirtschaftlichen Nutzung, mit der Sanierung schadstoffbelasteter Böden oder die Renaturierung von ehemals industriell oder bergbaulich genutzten Flächen.