Böden entsiegeln, Natur wiederherstellen

Entsiegelungspotenziale in Berlin

In Berlin (etwa 3,9 Mio. Einwohner:innen) waren im Jahr 2021 33,9 Prozent der Gesamtfläche der Stadt (891 km²) versiegelt: 302,46 km². Hauptursache der zunehmenden Bodenversiegelung ist die fortschreitende Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke, sowie Innenentwicklungsmaßnahmen wie Nachverdichtungen.

Im Land Berlin gibt es zahlreiche Flächen, die dauerhaft nicht mehr genutzt und somit entsiegelt werden könnten, um dem Naturhaushalt wieder uneingeschränkt zur Verfügung zu stehen. In dem Berliner Projekt wurden derartige Flächen erfasst, bewertet und Vorschläge für die Verbesserung oder Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen erarbeitet.

Das Projekt „Entsiegelungspotenziale in Berlin“ der Berliner Senatsverwaltung für Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt zielt auf eine aktive Verbesserung der Bodenqualität. Dauerhaft nicht mehr genutzte, versiegelte Flächen sollen entsiegelt und die natürlichen Bodenfunktionen beziehungsweise eine durchwurzelbare Bodenschicht wiederhergestellt werden. Damit sollen diese Flächen dem naturschutzfachlichen Ausgleich dienen, wenn an anderer Stelle Böden zum Beispiel durch den Bau von Gebäuden und Straßen neu versiegelt werden.

Zentraler Gegenstand des Projekts ist die Erfassung und systematische einheitliche Bewertung von Flächen mit Entsiegelungspotenzial im Land Berlin. Hierfür wurden seit 2010 Recherchen in allen Berliner Bezirken, in den vier Berliner Forstämtern sowie bei privaten Eigentümern und Eigentümerinnen durchgeführt. Die bei diesen Recherchen ermittelten Flächen und Informationen wurden in einer Datenbank zusammengeführt und mit den im Land Berlin verfügbaren flächenbezogenen Daten verknüpft. Im Fokus stehen dabei Flächen, die für eine dauerhafte bauliche oder anderweitige Nachnutzung als Siedlungs- und Verkehrsfläche nicht mehr in Betracht kommen. Dazu zählen zum Beispiel Parkplätze, Abstellflächen, Gewässerrandstreifen, ehemalige Gärtnereien, Garagen, Betriebsgelände.

Erfasst werden insbesondere folgende Daten:

  • Lage und Größe der Flächen,
  • Eigentumsverhältnisse,
  • bestehende und geplante Nutzungen,
  • Art der Versiegelung und
  • Umfang einer möglichen Entsiegelung.

Die Daten werden mit den im Land Berlin verfügbaren digitalen, flächenbezogenen Informationen zu laufenden oder abgeschlossenen Bebauungsplan- und Landschaftsplanverfahren abgeglichen. Die Darstellung der Flächen im digitalen Umweltatlas Berlin beziehungsweise im Geoportal Berlin erfolgt anhand der fachlichen Bewertung des Entsiegelungspotenzials mit farblich unterlegten Prioritätsstufen. Zudem können die potenziellen Entsiegelungsflächen als Hintergrundinformation zu anderen Darstellungen (zum Beispiel Luftbilder) hinzugeschaltet werden. Jede potenzielle Entsiegelungsfläche wird in einem digitalen „Steckbrief“ mit Text, gegebenenfalls Foto und Luftbildausschnitt dargestellt.

Die Ergebnisse der Erfassung und Bewertung werden im Umweltatlas Berlin beziehungsweise im Geoportal Berlin veröffentlicht. Mit der Entwicklung einer Entsiegelungspotenzialkarte wird die Visualisierung der Ergebnisse und die Bereitstellung eines Maximums an Informationen ermöglicht. Die Daten stehen damit der Verwaltung, Planungsbüros und sonstigen flächenrelevanten Akteuren und allgemein der Öffentlichkeit zur Verfügung. Es besteht auch für private Flächeneigentümer die Möglichkeit, Daten über eigene Flächen, die Entsiegelungspotenzial besitzen und für eine bauliche Nutzung nicht geeignet sind, einzubringen.

Im Rahmen des Projekts wurden Arbeitshilfen erstellt, die im Land Berlin eingesetzt werden, aber auch von Expert:innen aus anderen Kommunen genutzt werden können. Die Arbeitshilfe "Orientierende Kostenabschätzung für Entsiegelungsmaßnahmen" (Stand 01/2025) dient der Darstellung und Erläuterung von vereinfachten Kostenansätzen für die Planung von Entsiegelungsmaßnahmen. Hierzu erfolgen eine Typisierung der Entsiegelungsflächen nach baulichen Merkmalen und eine Zuordnung vereinfachter Kostenansätze für Abbruchmaßnahmen. Auf dieser Grundlage können Rückbaukosten abgeschätzt werden. Eine Excel-Eingabedatei zur Ermittlung orientierender Kostenansätze für Entsiegelungsmaßnahmen (Stand 01/2025) vereinfacht die Kostenschätzung für eine Entsiegelungsmaßnahme.

Das Instrumentarium für das anwenderfreundliche Flächenentsiegelungsportfolio zielt insbesondere auf die Boden- und Naturschutzbehörden sowie die Stadtplanungsämter des Landes Berlin, die zum Beispiel im Rahmen der Bauleitplanung und von Umweltprüfungen die Bodenschutzbelange prüfen und bewerten oder im Rahmen der naturschutzfachlichen Eingriffsregelung über bodenschutzfachlich relevante Ausgleichsmaßnahmen entscheiden. Adressiert werden aber ebenso Investoren, Flächeneigentümer und Flächeneigentümerinnen und Planungsbüros.

Eine Entsiegelungsmaßnahme auf der Fläche eines ehemaligen Forellenzuchtbetriebs und die Einbindung dieser Fläche in einen neuen Grünzug im Bezirk Spandau wurde in einem Kurzbericht dokumentiert. Darin enthalten sind Darstellungen unter anderem über planerische Aspekte sowie zur Finanzierung der Maßnahme.

Das Projekt Entsiegelungspotenziale in Berlin lief von 2010 bis 2025. Es pausiert derzeit und wird im Rahmen der Erarbeitung eines gesamtstädtischen Entsiegelungsprogramms in den Jahren 2025 und 2026 evaluiert.