Altstadt sanieren, Leerstände zwischennutzen
Zwischenzeit Steinweg
In der kreisfreien Stadt Coburg mit 41.000 Einwohner:innen werden in der Altstadt umfassende Sanierungsmaßnahmen umgesetzt, so auch im Quartier rund um den Steinweg in der Nördlichen Innenstadt. Dieses Gebiet wird von der Wohnbau Stadt Coburg GmbH als Sanierungstreuhänder betreut und als Sanierungsträger in den kommenden Jahren umfassend saniert. Entstehen soll ein lebendiges und sozial vielfältiges Quartier mit hoher Wohn- und Aufenthaltsqualität.
Im Projekt „Zwischenzeit Steinweg“ werden seit dem Jahr 2019 durch die Wohnbau Stadt Coburg städtische Ladenflächen an Zwischennutzer:innen vermietet. „Zwischenzeit Steinweg“ ist ein Leerstandsprojekt der Stadtmacher Coburg. Die Stadtmacher sind ein Zusammenschluss aus Citymanagement, Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg mbH und der Wohnbau Stadt Coburg GmbH (WSCO). Im Dezember 2020 gab es einen Stadtratsbeschluss zur Einsetzung einer Projektgruppe „Integriertes Innenstadtmanagement“ in Coburg. Das Stadtmacher-Team besteht seit Januar 2021 unter dem Dach der Wohnbau. Nach einer zweijährigen Testphase zur Belebung der Innenstadt, die unter anderem von Strukturwandel und Funktionsveränderungen, dem Wandel beim Einkaufsverhalten, Veränderungen durch Corona und eine Leerstandsproblematik gekennzeichnet ist, wurden die Stadtmacher ab 2023 fest etabliert. Seiher bilden sie eine eigene Abteilung und ein eigenes Geschäftsfeld bei der Wohnbau Stadt Coburg. Die wird aus städtischen Eigenmitteln sowie aus Fördermitteln aus Bundes- und Landesprogrammen finanziert.
Die Zwischenzeit-Leerstände werden von der Wohnbau Stadt Coburg als Sanierungstreuhänder gegen ein geringes Nutzungsentgelt zur Verfügung gestellt. Interessierte haben die Möglichkeit, sich ohne weitreichende wirtschaftliche Risiken auszuprobieren. Die zuvor teils jahrelang leerstehenden Ladengeschäfte dienten als Metzgerei, Teppichgeschäft, Elektrofachhandel oder Dönerimbiss. Je nach Zustand des Gebäudes stehen den Zwischennutzer:innen nun die Erdgeschossflächen oder auch nur die Schaufenster zur Verfügung. Eine Nutzungsvereinbarung zwischen Eigentümerin und Nutzer:in regelt Nutzungsdauer, Flächennutzung, Entgelt, Energieversorgung, Versicherung und Übergabe. Die Flächen sind durch eine einheitliche Beklebung am Schaufenster erkennbar und lassen sich bei einem Spaziergang rund um den Steinweg erkunden.
Mit einem Online-Leitfaden für die Gründung eines Pop-Up Stores in der Coburger Innenstadt hat das Stadtmacher Team wichtige Informationen zur Gründung eines Pop-Up Stores zusammengestellt, die alle Schritte von der Idee bis zur Eröffnung eines Ladens sowie die dazugehörigen Kontaktpersonen umfassen.
Das Projekt „Zwischenzeit Steinweg“, das verschiedene kreative Zwischennutzungen ermöglicht, lebt von einer partizipativen Stadtgestaltung. Vereine, Studierendengruppen, Kreativschaffende und Jungunternehmer:innen schaffen Begegnungsräume und werden sichtbar. Das Zwischennutzungsprojekt ist eng mit dem Projekt „Design findet Stadt“ des Coburger Designforums Oberfranken e.V. verknüpft, das Nachwuchskräften der Hochschule ein „Schaufenster“ und eine „Spielfläche“ für künstlerische Aktivitäten in Leerständen bietet. Durch „Zwischenzeit Steinweg“ wurde die Vielfältigkeit und Kreativszene in der nördlichen Innenstadt gestärkt. Insgesamt 25 Zwischennutzungen wurden seither in elf Zwischenzeit-Objekten auf 1294 m² Fläche initiiert. Mit Beginn der Sanierungsmaßnahmen läuft das Projekt in Coburg sukzessive aus. Zum Jahresende 2025 bestanden noch vier aktive Zwischennutzungen. Dadurch gewinnen leerstehende Gewerbeobjekte privater Immobilienbesitzer:innen auch für kreative Pop-up-Nutzungen zunehmend an Bedeutung.
Langfristiges Ziel des Projekts ist die Belebung und Aufwertung der Gebäude im Sanierungsgebiet Nördliche Innenstadt in Coburg. Erwartet wird, dass der alternative Charakter des Quartiers auch nach Abschluss der Sanierung fortbesteht und „Zwischenzeit Steinweg“ die Coburger Subkultur über alle Generationen hinweg stärken kann.
Die Stadtmacher sind mit dem Projekt „Zwischenzeit Steinweg“ Mitglied des bundesweiten „Netzwerks Zwischennutzung (NZN)“, das vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik sowie von der Bremer Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung gefördert wird.
Das Projekt „Zwischenzeit Steinweg“ hat nach Einschätzung der Stadtmacher positive Auswirkungen auf die Leerstandssituation im Sanierungsgebiet Steinwegvorstadt, da die leerstehenden Räume individuell belebt und sinnvoll genutzt wurden beziehungsweise werden. Neue Nutzungskonzepte finden Platz in der Innenstadt und schaffen ein Experimentierfeld. Die Evaluation des Projekts im Jahr 2022 hat ergeben, dass die Nutzer:innen hauptsächlich durch Bekannte, und weniger durch Öffentlichkeitsarbeit wie Presseberichte, den Internetauftritt oder die Fensterbeklebung, auf das Projekt aufmerksam wurden. Die Zwischennutzer:innen bewerten „Zwischenzeit Steinweg“ sehr positiv und verknüpfen positive Erfahrungen mit ihrer Flächennutzung. Einige haben sich persönlich beziehungsweise beruflich im Zuge der Zwischennutzung weiterentwickeln können. Insgesamt wurde ein positives Miteinander geschaffen, bei dem die Nutzer:innen auch untereinander Kontakte knüpfen. Zwischennutzer:innen vernetzen sich und nehmen an Stadtfesten beziehungsweise Händleraktionen teil. Sie sind Teil des Quartiers. Die Evaluation hat ergeben, dass die Stadtbevölkerung zwar wahrnimmt, dass die Leerstände durch die Kreativszene bespielt werden und dadurch ein innovatives, kreatives Angebot rund um den Steinweg entstanden ist. Dennoch spricht das Projekt eher eine Zielgruppe von kreativschaffenden Menschen an.
Zwischennutzungen:
- Einrichtung einer Projektgruppe „Integriertes Innenstadtmanagement“
- Nutzungsvereinbarungen zwischen Eigentümerin und Nutzer:innen
Sanierung:
- Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) „Coburg Innenstadt“
- Vorbereitende Untersuchungen Sanierungsgebiet II/VII Nördliche Innenstadt/Steinwegvorstadt Coburg
- Junges Wohnen (Steinweg 35, 37, Lohgraben 12, 14 und 16 sowie die Schenkgasse 2a) und Mehrgenerationenwohnen (Steinweg 25, 27, 29, Lohgraben 4 und 6) als städtebauliche Sanierungsmaßnahmen im Sanierungsgebiet VII Nördliche Innenstadt
- städtische Eigenmittel
- Quartiersfonds für die Sanierungsgebiete in der Innenstadt von Coburg
- Städtebauförderungsprogramm „Lebendige Zentren – Erhalt und Entwicklung der Stadt- und Ortskerne“
Die Stadtmacher haben für andere Projektumsetzungen Mittel weiterer Förderprogramme erhalten, darunter fällt allerdings nicht das Projekt „Zwischenzeit Steinweg“:
- Sonderfonds „Innenstädte beleben“,
- Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“
- Förderinitiative „Starkes Stadtmarketing für lebendige Innenstädte 2025“