Moratorium für die Konversion von Liegenschaften
Update: wie geht es weiter mit der Konversion?
Das Moratorium vom 28. Oktober 2025 zur Überprüfung von rund 200 Bundeswehrliegenschaften hat die Stadtentwicklung vieler deutscher Kommunen vor neue Herausforderungen gestellt. Inzwischen zeichnet sich ab: Ein genereller Verkaufsstopp ist damit nicht verbunden. Vielmehr prüft der Bund, welche Flächen künftig in eine strategische Liegenschaftsreserve überführt werden sollen. Seit Juni 2026 führt die Bundeswehr dazu systematische Standortdialoge mit den betroffenen Ländern und Kommunen. Dabei sollen auch bestehende zivile Planungen berücksichtigt werden – der militärische Bedarf ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.
Wie unterschiedlich die Perspektiven ausfallen können, zeigen erste konkrete Fälle. In Heidelberg wurden im Juli 2026 die verbliebenen, vom Moratorium betroffenen Flächen des ehemaligen Patrick-Henry-Village freigegeben. Damit können die Ankaufsverhandlungen für das rund 100 Hektar große Areal wieder aufgenommen werden. Geplant ist ein neuer Stadtteil für etwa 10.000 Menschen und bis zu 5.000 Arbeitsplätze. Das Beispiel verdeutlicht, welches Potenzial ehemalige Militärflächen für die Innenentwicklung bieten: Neue Wohn- und Arbeitsräume können auf bereits genutzten und erschlossenen Flächen entstehen, ohne zusätzliche Flächen am Stadtrand in Anspruch nehmen zu müssen.
In Kiel-Holtenau Ost wird dagegen versucht, militärische Bedarfe und zivile Stadtentwicklung zusammenzuführen. Die Planungen stehen exemplarisch für einen Ansatz, bei dem Flächen nicht ausschließlich einer Nutzung vorbehalten bleiben, sondern Möglichkeiten der Teilung oder koordinierten Mehrfachnutzung geprüft werden. Einen anderen Weg wird im rheinland-pfälzischen Kusel eingeschlagen: Die ehemalige Unteroffizier-Krüger-Kaserne soll wieder militärisch genutzt werden. Damit gerät eine zivile Nachnutzungsperspektive in den Hintergrund, während vorhandene Infrastruktur für den erneuten militärischen Betrieb genutzt werden kann.
Für die Bereitstellung neuer Wohn- und Gewerbeflächenflächen im Wege der Innentwicklung sind diese Entwicklungen ambivalent. Einerseits können Freigaben und gemeinsame Nutzungskonzepte wichtige Beiträge zum Flächensparen leisten. Andererseits gefährdet die erneute militärische Inanspruchnahme von den Kommunen bereits geplante Konversionsprojekte. Hinzu kommt das finanzielle Risiko: Nach einer Recherche des RedaktionsNetzwerks Deutschland hatten Kommunen bereits mehr als zwölf Millionen Euro in Planungen für zivile Nachnutzungen investiert. Für eine Entschädigung solcher Aufwendungen sieht die Bundesregierung grundsätzlich keine rechtliche Grundlage.
Die Entscheidungen über die betroffenen Liegenschaften sind damit weit mehr als eine militärische Bestandsaufnahme. Sie berühren kommunale Entwicklungsspielräume, Investitionen und die Frage, wie vorhandene Flächen möglichst effizient genutzt werden können. Heidelberg und Kiel zeigen, dass militärische Anforderungen und zivile Interessen nicht zwangsläufig unvereinbar sein müssen. Ob solche Lösungen Schule machen, wird wesentlich davon abhängen, wie frühzeitig Kommunen beteiligt werden und ob Teilfreigaben sowie gemeinsame Nutzungskonzepte tatsächlich umgesetzt werden. Mitte 2026 waren die Standortgespräche erst in wenigen Fällen abgeschlossen. Für viele Kommunen bleibt daher vorerst offen, ob ihre Konversionspläne Bestand haben.
- Folgen des Konversionsstopps für Kommunen und Dritte zum Zwecke der Zuführungen in die strategische Liegenschaftsreserve (BT-Drucksache 21/6119 vom 22.5.2026, Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage)
- Landeshauptstadt Kiel: Standortdialog mit der Bundeswehr
- Stadt Heidelberg: Absichtserklärung zur Konversion des Patrick- Henry-Village zwischen Bund, BImA und Stadt Heidelberg am 27. Juli 2026 unterzeichnet
- Landkreis Kusel: Absichtserklärung zur Zukunft der ehemaligen Unteroffizier-Krüger-Kaserne in Kusel unterzeichnet
- Kasernen statt Wohnungen: Kommunen steckten mehr als zwölf Millionen Euro in gestoppte Projekte (Beitrag RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vom 25.03.2026)
- Moratorium für die Konversion von Liegenschaften (Pressemitteilung vom 28.10.2025)
- Der Aufwuchs der Bundeswehr gelingt nur mit Infrastruktur (Meldung der Bundeswehr vom 31.10.2025)