Netto Null im Blick
Orientierungshilfe zur Umsetzung der EU-Bodenstrategie
Im Rahmen des EU-Projekts „Support for implementing the EU Soil Strategy for 2030“ wurde eine Orientierungshilfe erarbeitet, die die Europäische Kommission bei der Umsetzung der EU-Bodenstrategie unterstützt. Die Strategie verfolgt das Ziel, bis 2050 einen Netto-Null-Flächenverbrauch zu erreichen.
Die Veröffentlichung soll den relevanten Akteuren in den EU-Mitgliedstaaten Orientierung geben, um entlang der in der EU-Bodenstrategie dargestellten „Flächenverbrauchs-Hierarchie“ geeignete Maßnahmen umzusetzen. Diese Hierarchie folgt dem Prinzip „Vermeiden – Wiederverwenden (Wiedernutzen) – Minimieren – Ausgleichen“, wobei die Vermeidung der Neuinanspruchnahme von Flächen Vorrang hat, gefolgt von der Wiedernutzung bereits beanspruchter Flächen, der Minimierung unvermeidbarer Auswirkungen und schließlich dem Ausgleich verbleibender Beeinträchtigungen.
Der Leitfaden zeigt auf, wie die Bodenversiegelung und die Inanspruchnahme neuer Flächen wirksam reduziert werden können, um das Ziel eines Netto-Null-Flächenverbrauchs zu erreichen. Im Mittelpunkt stehen eine flächensparende Siedlungsentwicklung, der Schutz natürlicher Bodenfunktionen sowie die konsequente Nutzung und Aufwertung bereits beanspruchter Flächen. Der Leitfaden verbindet dafür politische und rechtliche Rahmenbedingungen mit planerischen Strategien, technischen Maßnahmen und Beispielen guter Praxis.
Die wichtigsten Empfehlungen sind:
- Flächenverbrauch vermeiden: Neue Siedlungs- und Verkehrsflächen sollen möglichst vermieden werden. Vorrang haben die Nutzung von Baulücken, Brachflächen und Leerständen sowie die Wiedernutzung bereits erschlossener Standorte.
- Bodenversiegelung begrenzen: Unvermeidbare bauliche Eingriffe sollen möglichst wenig Boden beanspruchen. Flächensparende Bauweisen, kompakte Siedlungsstrukturen und multifunktionale Flächennutzungen können den Flächenbedarf reduzieren.
- Entsiegelung gezielt fördern: Bereits versiegelte Flächen sollen dort zurückgebaut werden, wo sich Bodenfunktionen wiederherstellen lassen. Besonders wichtig ist es, Entsiegelung mit Begrünung, Regenwasserversickerung und Maßnahmen zur Klimaanpassung zu verbinden.
- Bodenqualität berücksichtigen: Flächenentscheidungen sollen nicht allein nach ihrer Größe oder Verfügbarkeit getroffen werden. Entscheidend sind auch die natürlichen Bodenfunktionen, die ökologische Wertigkeit und die Bedeutung des Bodens für Wasserhaushalt, Biodiversität und Klimaschutz.
- Planung und Steuerung verbessern: Kommunen und andere zuständige Stellen sollen Flächenverbrauch und Versiegelung systematisch erfassen, Entwicklungspotenziale im Bestand identifizieren und Bodenschutz frühzeitig in Planungs- und Entscheidungsprozesse integrieren.
- Akteure einbinden und Maßnahmen verankern: Eine wirksame Umsetzung erfordert die Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik, Grundstückseigentümern, Projektentwicklern und Öffentlichkeit. Geeignete planerische, wirtschaftliche und kommunikative Instrumente sollen Anreize für eine flächensparende Entwicklung schaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Wissen und dem Austausch bewährter Praktiken. Der Leitfaden basiert auf Literaturauswertungen sowie Befragungen und Workshops mit relevanten Akteuren. Die ergänzende methodische Dokumentation untersucht Planungs- und Steuerungsansätze europäischer Länder sowie bestehende politische Rahmensetzungen zur Begrenzung der Flächenneuinanspruchnahme.
Der Leitfaden verdeutlicht, dass Bodenversiegelung und Flächenverbrauch nur durch ein abgestimmtes Zusammenspiel von Vermeidung, flächensparender Planung, Flächenrecycling und gezielter Entsiegelung wirksam reduziert werden können. Entscheidend sind verbindliche Ziele, geeignete rechtliche und finanzielle Instrumente, belastbare Datengrundlagen und eine kontinuierliche Erfolgskontrolle. Eine nachhaltige Flächenpolitik muss dabei nicht nur die Menge der beanspruchten Fläche begrenzen, sondern auch die Qualität der Böden, ihre ökologischen Funktionen und die Lebensqualität in Städten und Gemeinden langfristig sichern.
Die Orientierungshilfe wurde von dem Unternehmen WSP und dem österreichischen Umweltbundesamt erarbeitet. Sie adressiert Kommunen, Behörden, Grundeigentümer, Projektentwickler im Immobilien- und Infrastrukturbereich sowie Bürgerinnen und Bürger und zivilgesellschaftliche Akteure
- Flexman, K., Oliver, V., Whiting, R., Zhu, M., Tapper, A. & Prokop, G. (2026): Indicative guidance on addressing soil sealing and achieving no net land take. Support for implementing the EU Soil Strategy for 2030. Task 1.2. Publications Office of the European Union, Luxembourg.
- Richtlinie (EU) 2025/2360 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. November 2025 zur Bodenüberwachung und für Bodenresilienz (Bodenüberwachungsgesetz)
- EU-Bodenstrategie für 2030 „Die Vorteile gesunder Böden für Menschen, Lebensmittel, Natur und Klima nutzen“