Asphalt weg, mehr Grün ins Quartier!

Gartenstraßen und Schulstraßen in Paris

Nachdem in den vergangenen Jahren bereits Schnellstraßen entlang der Seine durch Fußgängerbereiche ersetzt wurden und wichtige Verkehrsachsen sowie der historische Stadtkern inzwischen autofrei sind, werden in Paris Straßen in den Wohnquartieren großflächig verkehrsberuhigt und klimaangepasst zu Gartenstraßen (rue jardins) umgebaut. Dabei soll der öffentliche Raum in allen 20 Pariser Bezirken (arrondissements) umgebaut werden, wobei besonders belastete Kieze Priorität haben. Bei der Umsetzung der Maßnahmen werden Verkehrsberuhigung, Entsiegelung, Begrünung und Regenwasserversickerung miteinander kombiniert. Die Bodenentsiegelung spielt eine zentrale Rolle. Asphaltierte Fahrbahnen und Parkplätze werden zu Baumscheiben, Pflanzbeeten, Grünflächen und kleine Gärten oder erhalten wasserdurchlässige Beläge.

Die Bürger:innen partizipieren frühzeitig an den Planungen mit Vor-Ort-Veranstaltungen und in Onlinebeteiligungen u.a. zu Themen wie Begrünung, Radwege, Barrierefreiheit und Trinkwasserbrunnen für die Nachbarschaft. Hierfür wurde das Programm „Verschönern Sie Ihre Nachbarschaft“ („Embellir votre quartier“) ins Leben gerufen. Die Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen folgen dem Schwammstadtprinzip, wonach Regenwasser lokal versickern soll.

Neben der Gartenstraßen zielt auch das Konzept der sogenannten Schulstraßen (rue aux écoles) auf Klimaanpassung, Regenwassermanagement, mehr Stadtgrün und Biodiversität, bessere Luftqualität sowie sichere und attraktivere öffentliche Räume für Kinder und Anwohnende. Hier werden Straßen vor oder in unmittelbarer Nähe einer Schule verkehrsberuhigt, indem der Autoverkehr stark eingeschränkt oder vollständig ausgeschlossen wird, insbesondere zu Schulbeginn und Schulende. Dadurch frei gewordene Flächen werden oft mit Sitzgelegenheiten, Spielmöglichkeiten oder eine und Begrünung umgestaltet. Hierbei werden die Schulen frühzeitig in die Planung eingebunden, um ihre Bedarfe einzubringen. Ab 2020 wurden die Schulstraßen großflächig eingeführt. Es bestehen etwa 300 Schulstraßen (Stand: 2025), so dass mehr als die Hälfte der Pariser Grund- und Vorschulen inzwischen an einer solchen Straße liegen. Die Pariser Schulstraßen wurden ursprünglich eingeführt, um Kinder vor Verkehr und Luftverschmutzung zu schützen. Etwa 100 dieser Straßen sind durch Entsiegelungen und Begrünungen umgestaltet, so dass sie auch der Kühlung in den baulich stark verdichteten Quartieren dienen.

Verschiedene stadtweite Konzepte der Transformation bilden den programmatischen Hintergrund für den Ausbau der Gartenstraßen bzw. Schulstraßen. So sieht der Plan Climat de Paris (2024-2030) vor, Paris zu einer „Gartenstadt“ zu transformieren. Ziel des damit verknüpften Plan Local d'Urbanisme (PLU) bioclimatique ist es, bis zu 40 % der Pariser Stadtfläche zu entsiegeln und zu begrünen. Die Baumüberschirmungsfläche soll deutlich ausgedehnt werden. Dafür werden 500 Straßen zu grünen Gartenstraßen (rues jardin) umgestaltet. 66 Prozent der Pariser Bürger:innen stimmten im Jahr 2025 in einer Befragung für den massiven Umbau von Stadtstraßen in Gartenstraßen. In allen Quartieren sollen sechs solcher Straßen entstehen, so dass die Einwohner:innen künftig nicht weiter als 300 Meter von einer solchen Gartenstraße entfernt leben. Zu nennen ist auch der Pariser Fahrradplan "Mission Vélo" für die Schaffung von zusätzlichen 180 Kilometer Radwegen und 130.000 neuen Fahrradparkplätzen im Zeitraum 2021 bis 2026. Er ist Bestandteil der Pariser Mobilitätswende, die eine Reihe von Maßnahmen für einen sicheren Radverkehr und einen Rückzug des Autoverkehrs beinhaltet.