Flächennutzungskonkurrenzen
Verschiedene Nutzungsansprüche bzw. Nutzungsinteressen richten sich auf die begrenzt zur Verfügung stehende Ressource Fläche (vgl. a. Osterburg, B. … Zinnbauer, M. (2023): Flächennutzung und Flächennutzungsansprüche in Deutschland. Thünen-Institut (Thünen Working Paper, 224).
Flächenbedarfe bestehen für Nutzungen für Wohnen, Gewerbe, Verkehr, Landwirtschaft, Naturschutz und Freizeit. Besonders der Bedarf an neuen Wohnbauflächen und für Gewerbeansiedlungen führt zu Konflikten mit landwirtschaftlicher Nutzung oder ökologisch wertvollen Freiräumen. Ein großer Teil der täglich neu beanspruchten Siedlungs- und Verkehrsflächen wurde zuvor landwirtschaftlich genutzt. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien durch Wind- und Solarparks verstärkt den Druck auf land- und forstwirtschaftliche Flächen. Gleichzeitig erfordert die Anpassung an den Klimawandel mehr Grün- und Freiräume in Städten. Landwirtschaftliche Flächen dienen nicht nur der Nahrungsmittelproduktion, sondern sind auch wichtige Kaltluftentstehungsgebiete. Hieraus ergibt sich das Erfordernis, Flächennutzungskonkurrenzen mit verschiedenen strategischen Ansätzen des Flächensparens zu bewältigen: weniger neues Bauland nutzen, Potenziale der Innenentwicklung vorrangig entwickeln und die Effizienz der Flächennutzung erhöhen. Hierbei ist zu beachten, dass vor dem Hintergrund der Erfordernisse der Klimaanpassung auch der baulichen Entwicklung im Innenbereich durch Nachverdichtung insbesondere in den oftmals bereits hoch verdichteten Stadträumen Grenzen gesetzt sind.
Die wirtschaftliche Entwicklung und Bevölkerungsdynamik sowie die Ansprüche der Bevölkerung an Wohnen und Mobilität bestimmen wesentlich das Wachstum der Städte und ihres Umlands, aber auch von Städten und Gemeinden außerhalb der Ballungsräume. Im engen Kontext zur Wachstumsdynamik stehen die zu bewältigenden Flächennutzungskonkurrenzen. Die Möglichkeiten der Bewältigung dieser Flächennutzungskonkurrenzen wiederum sind vom Grad bereits bestehender Nutzungsintensitäten und baulicher Verdichtung abhängig.
Flächennutzungskonkurrenzen sind insbesondere im Rahmen der Stadt- und Regionalplanung zu betrachten und soweit als möglich zu lösen. Um Flächennutzungskonkurrenzen zu bewältigen, bedarf es einer integrierten Planung, die verschiedenen Nutzungsansprüche vor dem Hintergrund eines sparsamen Umgangs mit Fläche berücksichtigt und dabei zugleich weitere ökologische sowie ökonomische und soziale Belange miteinander in Einklang bringt. Damit ist die Bewältigung von Flächennutzungskonkurrenzen wie der sparsame Umgang mit Flächen nicht nur eine planerische, sondern auch eine gesellschaftliche und politische Aufgabe.