Flächenverbrauch weiterhin zu hoch
Neuester LABO-Statusbericht veröffentlicht
Die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) hat im Auftrag der Umweltministerkonferenz (UMK) einen Bericht zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und der Versiegelung an die Konferenz der Chefs der Staats- und Senatskanzleien der Länder und diesen im Mai 2026 veröffentlicht. In diesem LABO-Statusbericht 2025 werden der Status quo bei der Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme und Versiegelung dargestellt und Lösungsansätze zum nachhaltigen Schutz der Ressource Boden aufgezeigt.
Die Flächeninanspruchnahme, die trotz einer leichten Verlangsamung weiterhin auf einem hohen Niveau von über 50 ha pro Tag liegt und damit deutlich über dem Bundesziel von maximal 30 ha pro Tag bis 2030 und dem langfristigen Ziel der Netto-Null bis 2050 liegt, ist weiterhin eine zentrale Herausforderung des vorsorgenden Bodenschutzes und einer nachhaltigen Raumentwicklung.
Insofern wird neben einer gemeinsamen Anstrengung mit den für Bau, Raumordnung und Landwirtschaft zuständigen Ministerkonferenzen eine deutliche Intensivierung der bisherigen Maßnahmen gefordert. Ferner wird darauf verwiesen, dass der Flächenverbrauch auch qualitativ zu betrachten ist. Der Flächenverbrauch und insbesondere die Versiegelung von Böden führt zu einem Verlust beziehungsweise einer erheblichen Beeinträchtigung vielfältiger Bodenfunktionen, unter anderem der Regelungs- und Speicherfunktionen, der Lebensraumfunktion sowie der landwirtschaftlichen und klimarelevanten Funktionen. Daher müsse neben der Begrenzung der Flächenneuinanspruchnahme auch die Qualität und Schutzwürdigkeit der betroffenen Böden berücksichtigt werden. Unvermeidbare Eingriffe sollten möglichst auf Böden mit einem geringeren Erfüllungsgrad ihrer natürlichen Funktionen gelenkt werden.
Den Ausbau der erneuerbaren Energien in Form von Windenergie, Freiflächen-Photovoltaik und Bioenergie wird als ein Faktor für eine zusätzliche Flächenkonkurrenz beschrieben. Dafür sollten verstärkt bereits bebaute, versiegelte oder anderweitig vorbelastete Flächen genutzt sowie technologische Effizienzpotenziale ausgeschöpft werden.
Eine wirksame Steuerung der Flächeninanspruchnahme erfordere einen integrierten Ansatz auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Kontingentierung der Flächenneuinanspruchnahme, die Stärkung der Innenentwicklung, die Revitalisierung von Brachflächen, das Flächenrecycling sowie der Abbau ökonomischer und fiskalischer Fehlanreize für die Außenentwicklung.
Ferner bestehen weiterhin Defizite bei der rechtlichen Verankerung eines umfassenden vorsorgenden Bodenschutzes. Insbesondere die Klimafunktion des Bodens sollte stärker in bodenschutzrechtliche und planerische Entscheidungsprozesse integriert werden. Auch für die Entsiegelung fehlen bislang flächendeckende Zielsetzungen, verbindliche Vorgaben und geeignete rechtliche Instrumente. Eine systematische Erfassung von Entsiegelungspotenzialen sowie die Weiterentwicklung entsprechender Förder- und Rechtsinstrumente könnten dazu beitragen, die Wiederherstellung beeinträchtigter Bodenfunktionen stärker in der Praxis zu etablieren.
Für eine verbesserte Steuerung der Flächenentwicklung gewinnen zudem Fernerkundungsdaten und KI-gestützte Auswertungsverfahren an Bedeutung. Sie ermöglichen eine zunehmend flächendeckende und aktuelle Erfassung von Flächennutzungen, Versiegelungsgraden und Nutzungsänderungen und können damit die bestehenden amtlichen Flächenerhebungen sinnvoll ergänzen. Voraussetzung für eine belastbare Nutzung dieser Daten sind jedoch standardisierte Auswertungsverfahren und eine ausreichende Vergleichbarkeit mit etablierten Datengrundlagen.
Die Untersuchung zeigt insgesamt, dass die wesentlichen Instrumente zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme fachlich bekannt sind. Die Ergebnisse verdeutlichen insbesondere die Bedeutung verbindlicher Flächensparziele, der Innenentwicklung, der Brachflächenrevitalisierung sowie von Sanierung und Flächenrecycling. Gleichzeitig beschränken sich erfolgreiche Ansätze bislang vielfach auf einzelne Best-Practice-Projekte. Daraus ergibt sich eine Diskrepanz zwischen dem vorhandenen fachlichen Wissen und der flächendeckenden Umsetzung in der Planungspraxis.
Die zentrale Herausforderung liegt folglich weniger in der Entwicklung neuer Instrumente als in deren konsequenter, verbindlicher und ressortübergreifender Anwendung. Eine nachhaltige Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme erfordert das koordinierte Zusammenwirken von Bund, Ländern und Kommunen sowie eine stärkere politische und gesellschaftliche Priorisierung des Flächen- und Bodenschutzes. Dabei sollten insbesondere die Handlungsfelder „Kontingentierung einführen“, „Innenentwicklung stärken“ und „Fehlanreize abbauen“ stärker in der Raum- und Regionalplanung sowie der kommunalen Bauleitplanung verankert werden.
Zusammenfassend wird festgehalten, dass eine erfolgreiche Flächen- und Bodenschutzpolitik eine quantitative und qualitative Betrachtung miteinander verbinden muss. Neben der Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme sind der Schutz hochwertiger Böden, die verstärkte Nutzung von Innenentwicklungspotenzialen, Flächenrecycling und Entsiegelung sowie eine verbesserte Datengrundlage von zentraler Bedeutung. Nur durch die konsequente Umsetzung dieser miteinander verknüpften Maßnahmen erscheint eine schrittweise Annäherung an die nationalen Flächensparziele und langfristig an eine Netto-Null-Flächenneuinanspruchnahme realistisch.
Statusbericht der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) im Auftrag der Umweltministerkonferenz (2025): Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und der Versiegelung