Büro-Leerstand statt Wohnraum

Kein Umbau-Turbo in Sicht

Ein Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die Umwandlung leerstehender Büros in Wohnungen zu erleichtern (Bundestagsdrucksache 21/6341), ist am 7. Oktober 2026 im Bundestagsausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen gescheitert. Die Debatte macht deutlich, wie umstritten der Weg vom Bau-Turbo zum Umbau-Turbo ist. Während BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke den Antrag unterstützten, sprachen sich CDU/CSU, SPD und AfD dagegen aus.

Die Grünen sehen angesichts der sich zuspitzenden Wohnungskrise und der Klimaziele einen grundlegenden Kurswechsel als notwendig an. Statt den Neubau mit einem Bau-Turbo weiter zu beschleunigen, brauche es einen Umbau-Turbo, der vorhandene Gebäude schneller und wirtschaftlicher für Wohnzwecke nutzbar macht. Nach Angaben der Fraktion könnten aus den rund 12,5 Millionen Quadratmetern ungenutzter Bürofläche bis zu 350.000 Wohnungen entstehen – etwa für Studierende, Auszubildende oder Menschen, die vorübergehend eine Unterkunft benötigen. Zugleich müsse Schluss damit sein, dass sich das Leerstehenlassen von Gebäuden wirtschaftlich mehr lohne als deren Umbau und Vermietung. Die Grünen fordern deshalb, steuerliche Fehlanreize abzubauen und die Umnutzung gezielt zu fördern.

Dass in leerstehenden Bürogebäuden eine Chance für den Wohnungsmarkt liegt, stellte die CDU/CSU-Fraktion grundsätzlich nicht infrage. Allerdings lasse sich Bürofläche nicht ohne Weiteres in Wohnraum verwandeln. Hohe Umbaukosten könnten dazu führen, dass sich die Investitionen nicht rechneten. Zudem dürften Wohnen und Gewerbe nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die AfD-Fraktion setzte andere Akzente. Sie kritisierte die aus ihrer Sicht typische politische Antwort der Grünen: mehr Steuern, mehr Verbote und mehr staatliche Kontrolle. Stattdessen müssten die Rahmenbedingungen so verbessert werden, dass sich Bauen und Umbauen wieder wirtschaftlich lohnten. Leerstand lasse sich nicht durch Zwang und Quoten beseitigen.

Die SPD bewertete die Zielrichtung des Antrags zwar positiv, verwies aber auf bereits bestehende Instrumente. Mit dem Bau-Turbo gebe es Möglichkeiten, Bau- und Umbauvorhaben zu beschleunigen; auch das Programm „Gewerbe zu Wohnen“ laufe an. Nun komme es darauf an, die vorhandenen Instrumente zu nutzen.

Die Linke wiederum verwies auf den erheblichen Büroflächenleerstand in den so genannten A-Städten wie z.B. Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Düsseldorf oder Stuttgart. Sie kritisierte, dass sich Leerstand offenbar lohne und teilweise am tatsächlichen Bedarf vorbeigebaut worden sei. Darüber hinaus forderte sie, gegen den Zufluss kriminellen Kapitals vorzugehen. Ihr Antrag geht über die Forderung nach mehr Umbauten hinaus. Die Grünen wollen die Musterbauordnung zu einer Umbauordnung weiterentwickeln, um die Umwandlung leerstehender Büro- und Gewerbegebäude in Wohnungen zu erleichtern. Darüber hinaus sollen entsprechende Vorhaben finanziell attraktiver werden und mit Bundesmitteln gezielt gefördert werden. 

Auch das Steuerrecht steht im Fokus. Geprüft werden soll, ob Kommunen für Grundstücke mit dauerhaft leerstehenden Gebäuden im Rahmen der Grundsteuer C einen gesonderten Hebesatz festlegen können. Ziel ist es, die wirtschaftlichen Anreize so zu verändern, dass sich die Um- oder Zwischennutzung von Büroflächen in angespannten Wohnungsmärkten eher lohnt als der dauerhafte Leerstand.

Die Debatte berührt einen grundlegenden Konflikt der Stadtentwicklung: Muss neuer Wohnraum vor allem durch Neubau entstehen – oder lassen sich vorhandene Gebäude stärker nutzen? Die Umwandlung von Büros könnte Wohnraum schaffen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. Sie wäre damit nicht nur eine wohnungspolitische, sondern auch eine flächen- und klimapolitische Strategie.

Allerdings ist nicht jedes Bürogebäude für Wohnungen geeignet. Grundrisse, Belichtung, Erschließung, Brandschutz und die Kosten des Umbaus können einer Umnutzung entgegenstehen. Umso wichtiger sind passende rechtliche Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Anreize und eine sorgfältige Prüfung der jeweiligen Gebäude.

Mit der Ablehnung des Antrags bleibt der von den Grünen geforderte umfassendere Umbau-Turbo vorerst ohne parlamentarische Mehrheit. Die zentrale Frage aber bleibt: Wie kann eine Stadt dringend benötigten Wohnraum schaffen, ohne dafür immer neue Flächen in Anspruch zu nehmen?