Flächenverbrauch hat Konsequenzen

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Erschließungsarbeiten für ein Neubaugebiet
Erschließungsarbeiten für ein Neubaugebiet
Ökologische, soziale und ökonomische Folgen des Flächenverbrauchs

Rund 66 Hektar wurden in den Jahren 2012 bis 2015 in Deutschland pro Tag in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Das hat negative ökologische, soziale und ökonomische Konsequenzen.

Ökologische Folgen des Flächenverbrauchs

Eine Umwandlung von Freiflächen, vor allem von landwirtschaftlichen Flächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen hat verschiedene negative Auswirkungen auf die Ökologie:

  • Der Flächenverbrauch führt zu einer weiteren Zerschneidung und Fragmentierung von Natur- und Lebensräumen, was den Erhalt der biologischen Vielfalt gefährdet und den genetischen Austausch von Populationen stark eindämmen kann.
  • Durch eine Umwandlung in Siedlungs- und Verkehrsfläche wird die ökologische Bedeutung von Böden in der Regel erheblich und oftmals irreversibel geschädigt, da Filter-, Puffer- und Lebensraumfunktion nicht oder nur begrenzt erhalten werden.
  • Werden Flächen versiegelt, hat das negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt: Die Grundwasserbildung wird verringert, der Wasserabfluss erhöht und beschleunigt - mit entsprechenden Folgen wie beispielsweise Überschwemmungen.
  • Auch mit Blick auf den Klimawandel darf ein zunehmender Flächenverbrauch nicht unterschätzt werden: Die negativen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und eine Überwärmung von Siedlungsgebieten stehen beispielsweise einer erfolgreichen Anpassung an den Klimawandel entgegen, gleichzeitig gehen Kohlenstoffsenken verloren.
  • Nicht zuletzt führt eine wachsende Zersiedlung zu mehr Verkehr und entsprechenden Schadstoffemissionen.

Soziale Folgen des Flächenverbrauchs

Ein hoher Flächenverbrauch hat auch negative soziale Auswirkungen und kann die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger erheblich beeinträchtigen:

  • Bei einer stagnierenden oder sogar abnehmenden Bevölkerungszahl führen große Flächenausweisungen im Außenbereich fast zwangsläufig zu Leerständen im Siedlungsbestand. Häufig sind davon die Ortskerne oder Einfamilienhausgebiete aus den 60er und 70er Jahren betroffen. Die Attraktivität der betroffenen Städte und Gemeinden sinkt dadurch erheblich.
  • Neue Baugebiete in der Peripherie von Kommunen und eine lockere Siedlungsstruktur erhöhen den täglichen Zeitaufwand für deren Bewohner - beispielsweise durch längere Wege zum Arbeitsplatz. Schulen, Versorgungseinrichtungen und andere Infrastrukturen sind schlechter, und häufig nur durch das Auto erreichbar.

Die ökonomischen Folgen

Auch in ökonomischer Hinsicht wirkt sich der Flächenverbrauch negativ aus:

  • Eine zunehmende Siedlungsfläche bei stagnierender Bevölkerungszahl führt zu einer geringeren Auslastung von sozialen und technischen Infrastrukturen und damit zu höheren Kosten pro Kopf. Diese Entwicklung wird in vielen Regionen Deutschlands durch den demographischen Wandel zusätzlich verstärkt.
  • Eine Ausweisung neuer Baugebiete kann zu einem Überangebot und damit zu einem Wertverlust der Immobilien im Siedlungsbestand führen. Bereits heute steigt der Leerstand in vielen ländlichen Regionen an. Das eigentlich als Altersvorsorge angesehene Haus, ist dann plötzlich wertlos.
Erschließungsarbeiten für ein Neubaugebiet

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