Welche Vorteile bietet das Flächenrecycling?

Welche Potenziale für einen zukunftsfähige Gemeinde- oder Stadtentwicklung in alten Gewerbe- und Industrieflächen und alten Kasernen schlummern ...

... erschließt sich manchmal erst auf den zweiten Blick. Es lohnt sich genauer hinzuschauen, welche Vorteile das Flächenrecycling für Ökonomie, Ökologie und für den Städtebau haben kann.

Das Flächenrecycling ist ein wichtiger Baustein eines kommunalen oder stadtregionalen Flächenmanagements. Wie die Bebauung von Baulücken oder die Nachverdichtung bestehender Wohn- oder Gewerbebauten zielt das Flächenrecycling auf die Mobilisierung von Bauflächen im Bestand. Ein derartiger Mobilisierungsansatz ist aus unterschiedlicher Sicht vorteilhaft.

Die ökonomische Sicht

Aus ökonomischer Sicht liegt in vielen Brachflächen ein hohes Potenzial der Wertsteigerung, insbesondere wenn es gelingt, hochwertige Nutzungen wie z.B. Wohnen, personalintensives Gewerbe bzw. gemischte Nutzungen mit Anteilen von Einzelhandel, Büros  und Gastronomie zu etablieren. Bei der Wiedernutzung ehemaliger Brachflächen lassen sich durch die Nutzung vorhandener Infrastruktur Erschließungskosten sparen. Eine Wiedernutzung von Brachflächen ermöglicht darüber hinaus eine bessere Auslastung bestehender Infrastrukturen z. B. der Ver- und Entsorgung, des öffentlichen Personennahverkehrs, von Kindergärten, Schulen sowie Freizeiteinrichtungen. Je nach Dichte und Vielfalt der neuen Nutzungen wird eine Umlegung von laufenden Kosten der Unterhaltung von technischen Infrastrukturen auf viele Nutzer möglich. Häufig entfallen bei der baulichen Entwicklung von Brachflächen Aufwendungen für natur-schutzfachliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

Die ökologische Sicht

Verschiedene ökologische Vorteile liegen auf der Hand. Eine Aktivierung von vormals genutzten Flächen im Bestand durch Flächenrecycling hilft, die Umwandlung Flächen im Außenbereich für eine bauliche Nutzung zu vermeiden. Die Flächenneuinanspruchnahme wird vermindert und eine weitere Zersiedlung von Städten und Gemeinden und die Fortschreiten der Landschaftszerschneidung werden vermieden. Böden werden nicht versiegelt und Bodenfunktionen bleiben erhalten. Flächenrecycling leistet einen aktiven Beitrag zur Innenentwicklung, hilft zusätzliche Verkehre zu vermindern und unterstützt damit die Realisierung einer Stadt der kurzen Wege.

Die städtebauliche Sicht

Aus städtebaulicher Sicht kann das Flächenrecycling den Erhalt wichtiger Funktionen städti-scher Teilräume als Standort für Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit und Erholung unterstützen. Viele vormals gewerblich, industrielle oder militärisch genutzte Flächen bzw. ehemalige Bahnflächen sind von hoher Lagequalität  und zeichnen sich durch Zentralität, eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr und ein urbanes Umfeld aus. Insbesondere große, zusammenhängende Gebiete bieten die Chance zur Etablierung von gemischt genutzten Quartieren. Für Kommunen mit hohem Nachfragedruck bietet das Flächenrecycling die Möglichkeit, dringend benötigte neue Wohnungen in zentralen oder zentrennahen Lagen zu errichten. Bislang öffentlich unzugängliche Bereiche werden für öffentliche und private Nutzungen zugänglich gemacht. Revitalisierte Areale bieten die Möglichkeit, z.B. bestehende Defizite in der Grün- und Freiflächenversorgung von Quartieren zu mindern. Häufig können städtebauliche Missstände beseitigt und ehemalige Brachflächen zum Anker für neue städtebauliche Entwicklungen mit hoher Attraktivität werden.

Inwiefern sich die Vorteile einer Nutzung ehemaliger Gewerbe-, Industrie- oder Militärflächen erschließen lassen, hängt in hohem Maße von der Lage und städtebaulichen Einbindung in bestehende Siedlungsstrukturen sowie von einer grundsätzlichen Nachfrage nach Bauflächen ab.

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